Stoned Golem

*-* ... und wir wissen, dass es keine Wunder gibt ... *-*

Zur Sexismusdebatte

Ein #aufschrei geht durch Deutschland: Ein alternder Politker macht gegenüber einer jungen Journalisten anzügliche Bemerkungen und tritt damit eine öffentliche Diskussion über den Sexismus in unserem Land los. Während die diskriminierten Frauen auf Twitter ihren #aufschrei artikulieren, versuchen privilegierte weiße Männer vom Problem abzulenken und sich selbst als Opfer zu stilisieren. Aber zum Glück gibt es die Werbeindustrie, die zielsicher den Sexismus in diesem Land bedient.

Neugierig?

Schon seit längerer Zeit beabsichtige ich eigentlich einen Artikel zum Thema “Geschlecht und Sprachgebrauch” zu schreiben, aber wie das häufig so ist habe ich den einfach vor mir hergeschoben. Während ich mich also noch über mein Versäumnis und ob meiner offensichtlichen Faulheit ärgere wird Deutschland promt von einer Sexismusdebatte überrollt, die der Brüderle stilsicher mit einem Tritt ins Fettnäpfchen auslöste. Was folgte, war ein #aufschrei über Twitter, der die Sexismusdiskussion mitten in die Prime Time der öffentlich-rechtlichen ARD katapultierte. Ich gestehe, ich habe die Sendung nicht selbst gesehen, da ich sie einfach nicht ertragen kann, aber nach allem, was sich im Netz dazu findet, scheint sie nicht besonders gut gewesen zu sein.

Wie schon Brüderles männliche Parteigenossen so scheint auch Jauch von seiner priviligierten Warte aus das Problem nicht zu erkennen. Männer pauschal zu Opfern stilisieren zu wollen zeugt nicht nur vom mangelndem Fingerspitzengefühl, welches teilweise in dieser Debatte vorherrscht, sindern die Behauptung ist auch schlichtweg falsch. Nur weil einige Menschen individuell keine Benachteilung am eigenen Leibe erfahren haben, heißt dies nicht, dass es allgemein diese Benachteiligung nicht gäbe. Schlimmer noch: Je priviligierter ein Mensch ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, selbst von Benachteiligung betroffen zu werden — obwohl vielleicht viele weniger priviligierte Menschen es sind! Allein aus dieser Tatsache heraus ist es sinnig und verständlich, dass sie die betreffenden Personen zu Worte melden und ihre Benachteiligung artikulieren, weil vielleicht ein priviligierter Personenkreis den Sexismus vielleicht nichteinmal als solchen wahrnimmt.

Denn wir leben keinesfalls in einer sexismusfreien Welt. Für die Werbung gilt bekanntermaßen “sex sells” — aber seltsam, dass es vor allem halbnackte, junge Frauen sind, die mit diesem Schlagwort “vermarktet” werden. In diese Kerbe schlagen auch jene Fundstücke, welches ich just heute im Netz gefunden habe:

Hier haben wir unzensiert von mir zensiert einen Einblick in jenen alltäglichen Sexismus, der zum #aufschrei führte. Dies ist eine “normale” Werbung eines “seriösen” Flirtportals, welches mit gängigen Klischees arbeitet. Das Menschenbild hinter einer derartigen Darstellung ist schlichtweg erschreckend. Will mir diese Firma ernsthaft sagen, das sie einen “Überschuss” an “jungen Frauen” haben, die sie gerne an “ältere Männer” verschachern würden? Soll es wirklich gefördert werden, dass “alte Säcke” sich “junge Dinger zulegen”, damit sie sich als “Hengst” fühlen können? Und warum wird hier

Diese kleinen Werbungen jedenfalls haben mich überzeugt, dass die aktuelle Debatte mehr als nötig ist. Allerdings darf es nicht bei dem #aufschrei bleiben, denn um nachhaltig etwas zu verbessern müssen jetzt Veränderungen angestoßen werden. Diese müssen dann aber gesamtgesellschaftlich getragen werden, denn ein/e Jede/R kann seinen oder ihren Beitrag dazu leisten. Geschlechtssensible Sprache würde sich an dieser Stelle beispielsweise regelrecht anbieten und einen ersten Anfang darstellen— und vielleicht nutze ich die Folgezeit des #aufschreis, um meine Gedanken zu dem Thema mal zu Papier zu bringen.

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